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27|05|2008      Windsurfers jetzt als Online Ausgabe - Ingo Meyer dazu im SSR Interview


Fred: Hi Ingo, mit Schrecken haben ich gehört, dass Ihr den „Windsurfers“ Teil in der Print-Ausgabe des „Surfers“ einstampft! Ich habe gerade die letzte Ausgabe vor mir liegen. Was soll das denn?
Ingo: Fred! Einstampfen ist wohl ein wenig grob ausgedrückt. Tatsache ist, dass Surfers in Zukunft als waschechtes Wellenreit-Magazin erscheint. Ob du es glaubst oder nicht, die Zielgruppe wächst selbst in Deutschland, wo gute Wellen ja Mangelware sind, ständig. Und vor allem wird sie spezieller. Vor einigen Jahren waren noch die meisten Wellenreiter auch am Windsurfen interessiert und umgekehrt. Kein Wunder, viele nutzen ja z.B. im Urlaub die Zeit wenn kein Wind ist um Paddeln zu gehen. Aber diese Schnittmenge wird kleiner. Das liegt aber nicht daran, dass die Windsurfer nicht mehr Wellenreiten gehen sondern, dass unglaublich viele mit dem Wellenreiten anfangen, die nichts mit dem Windsurfen zu tun haben. Die kommen z.B. vom Skaten oder Snowboarden oder haben einfach Lust dem Alltag zu entkommen und im Wasser rumzutoben. Und die wollen ihr eigenes Magazin, das ist uns bei der Auswertung von Leserbefragungen und -briefen klar geworden. Ebenso wollen die Windsurfer, zumindest viele von ihnen ein eigenes Magazin. Und auch das werden sie von uns bekommen.

Fred: Habt Ihr den Schwanz wegen dem neuen Print-Magazin Windsurf Journal von Alexander Lehmann eingezogen? Gibt der Markt keine drei Windsurf Print-Magazine neben dem Surf Magazin und dem neuen Windsurf Journal her?
Ingo: Ganz ehrlich? Der Markt, wie er sich momentan darstellt, gibt leider nicht mal wirklich ein Magazin her. Zumindest wenn du die Betrachtung auf die wirtschaftliche Seite reduzierst. Das kannst du an den verschiedensten Kennzahlen ablesen: Zum Beispiel der verkauften Auflage von Windsurfmagazinen und dem Werbevolumen in den Magazinen, welches natürlich von dem wirtschaftlichen Erfolg der Windsurfindustrie abhängig ist. Da sieht es seit Jahren echt düster aus. Das führt dazu, dass die Redaktionen verkleinert werden und die Budgets z. B. für gute Geschichten und Bilder ständig schrumpfen. Somit legen die Redaktionen, oder besser was davon über geblieben ist, primär Wert auf Inhalte, die das Überleben des Heftes sichern: Sprich Tests, denn da ist die Industrie bereit finanziell ein wenig auszuhelfen. Böse Zungen würden auch sagen, da ist sie erpressbar. Und dann wird die Luft dünn. Es werden immer mehr kostenlose Inhalte verwurstet, hauptsache das Heft wird voll. Die Qualität der Inhalte ist da, wenn überhaupt, zweitrangig. Erst mal soll er nichts kosten und dann bitte den Anzeigenkunden gefallen. In diesem Umfeld ist es schwierig ein vernünftiges Magazin zu machen. Wir haben schon vor zwei Jahren die Ansage von Teilen der Industrie bekommen, dass sie uns nicht weiter unterstützen werden, wenn wir nicht ausführliche Tests aufnehmen. Wir wollten uns aber nicht diktieren lassen, wie unser Heft auszusehen hat. Und der Erfolg beim Leser hat uns Recht gegeben. Die gab und gibt es beim Windsurfen zwar nicht in Massen, aber es ist ein gutes Gefühl einen anspruchsvollen und kritischen Leser zufrieden zu stellen. Finanziell war der Windsurfteil sicherlich kein Erfolg, aber ich konnte ihn gegenüber der Geschäftsleitung mit halbwegs gutem Gewissen vertreten. Mit einem zusätzlichen dritten Magazin auf dem Markt ist die Luft noch dünner geworden, zumal Alexander dem Ruf der Industrie nach einem Konkurrenz-Test zur Surf gefolgt ist. Das hätte dazu geführt, das wir den Umfang oder die Qualität hätten reduzieren müssen. Da haben wir die Entscheidung getroffen einen für uns neuen Weg zu gehen.

Ingo Meyer und Redakteur Adriano Brotz
Fred: So ganz müssen wir auf das Windsurfers nicht verzichten. Es wird in Zukunft eine Online Ausgabe geben. Meinst Du, dass Ihr den etablierten Online Magazinen ans Pein pissen könnt? Verträgt der Markt noch ein neues Online Mag?
Ingo: Verzichten? Ganz im Gegenteil. Windsurfers wird in einem Umfang erscheinen, wie wir es uns bis jetzt nicht erlauben konnten. Fred, wir kennen uns ja lange genug. Deshalb weist du, dass es sicher nicht unser Ziel ist anderen Magazinen ans Bein zu pissen, wie du das so schön sagst. Aber du hast Recht, mit der Stehsegelrevue und Daily Dose gibt es zwei Portale, die beide auf ihre Weise einen guten Job machen. Grundsätzlich ist die Situation, wie auch im Print-Bereich, nicht einfach. Die Werbegelder liegen auch hier nicht auf der Straße. Aber das Web bietet andere Möglichkeiten der Berichterstattung und auch der Finanzierung. Außerdem bleiben eine Menge Bäume stehen und eine Papier-und Druckrechnung im sechsstelligen Bereich jährlich fällt weg. Das schafft Möglichkeiten an anderer Stelle.

Fred: Was werden die Schwerpunkte bei Euch im Netz sein? Welche Inhalte wird es bei Euch geben, die kein anderes digitales Mag anbietet?
Ingo: Ich habe ja gesagt, dass uns der Online-Auftritt von Windsurfers völlig neue Möglichkeiten und Perspektiven verschafft. Wir müssen sein uns nicht mehr ständig Gedanken machen, was denn auf unsere gezählten Seiten kommt. Denn jetzt haben wir Platz. Damit können wir auch Themen behandeln, die bis jetzt bei uns keinen Raum gefunden haben. Service hat bei uns im Heft ja praktisch nicht stattgefunden. Das können wir jetzt ändern ohne den Charakter unseres Magazins zu sehr zu verändern. Denn wir müssen dafür keine Geschichte oder Bilder streichen, wir bieten einen zusätzlichen Inhalt. Und ob du es glaubst oder nicht, dass wird tatsächlich auch das Thema Test sein. Wir werden das erste digitale Mag in Deutschland sein, dass neue und aktuelle Tests direkt im Web veröffentlicht. Das ist ein Luxus, den man sich nicht leisten kann, wenn man auch eine Print-Ausgabe verkaufen muss. Deshalb findet man bei anderen Websites bestenfalls archivierte Test, die bereits in der gedruckten Ausgabe zu sehen waren. Kein Wunder, die müssen ja erst mal ihre teuer gedruckten Hefte los werden, wenigstens einige.

Ingo in Action
Fred: Wie siehst Du die Zukunft im Netz? Werden die Online Magazine den Print-Ausgaben immer mehr Werbebudget der Industrie abnehmen?
Ingo: Betrachtet man aktuelle Studien zur Mediennutzung der Bevölkerung stechen zwei Fakten besonders ins Auge: 1. Das Internet erlebt als Informations- und Unterhaltungsmedium einen enormen Zuwachs. 2. Diese Zuwächse gehen primär zu Lasten der Printmedien. Während sich das Fernsehverhalten der Bevölkerung nicht ändert und auch das Radio im bekannten Umfang genutzt wird, nimmt die Lust gedruckte Zeitungen und Magazine zu Lesen ständig ab. Ob das eine erfreuliche Entwicklung ist, lasse ich mal unkommentiert. Tatsache ist, dass sich die großen Verlagsgruppen für die Zukunft völlig anders positionieren, als das jetzt der Fall ist. Bis jetzt waren Webseiten eine Unterstützung für Print-Magazine. Die meisten Medienmacher sehen Print-Magazine in Zukunft als Unterstützung von Websites – also genau anders herum. In den Werbebudgets großer Konzerne z.B. in der Unterhaltungselektronik spiegelt sich dies schon jetzt wieder und diese Entwicklung wird sich verstärken. Fred, du kannst dich also in Zukunft über warmen Regen freuen. Spaß beiseite. Auch die Marketing-Strategen der Windsurf-Industrie werden sich überlegen, ob sie lieber eine Anzeige buchen, die bestenfalls 20.000 Leser erreicht, oder eine Präsenz im Web, die ungefähr das 10 Fache an Nutzern ins Auge fällt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Bewegung nicht irgendwann das Ende der Print-Magazine bedeutet.

Fred: Was ja echt scheiße für Dich ist, dass Du jetzt jeden Tag arbeiten musst. Haha! Eine Onlineausgabe muss jeden Tag gepflegt werden. Da ist dann nichts mehr mit Redaktionsschluss und danach eine Woche Kapstadt!
Ingo: Na jetzt erst recht. Wenn ich nur im Büro sitze kriege ich ja gar nicht mit, was passiert. Ich bin jetzt ja beruflich verpflichtet wieder näher am Geschehen und damit auf Reisen zu sein. Nein, echt mal. Das ist eine Änderung, über die ich mich echt freue. Ein Beispiel: Ich moderiere seit Jahren den World Cup auf Sylt vor Ort live und konnte dann, wenn es mit dem Erscheinungstermin vom Heft ungünstig lief, 2 1/2 Monate später davon im Heft berichten. Da interessiert maximal noch ein Bild, dass noch keiner gesehen hat. Jetzt veröffentlichen wir die Geschichte am gleichen Tag. Da lohnt es sich noch eine Stunde Arbeitszeit dranzuhängen. Ich habe außerdem einen neuen, motivierten Online-Redakteur an meiner Seite. Den frage ich dann von Zeit zu Zeit mal, ob ich ein verlängertes Wochenende frei machen darf.

Fred: Ingo, danke das offene Interview und viel Spaß und Erfolg mit www.windsurfersmag.de


Autor: ssr-fn, Pix: F. Geestmann


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