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08|08|2012      Klaas Voget über seinen Windsurfausflug nach Helgoland


Klaas Voget und bsp Media bringen einen spannenden Report, Bilder und Video von einem Windsurfausflug nach Helgoland mit.

Ich wusste von Helgoland bislang nicht viel, nur dass es eine Lange Anna gibt und günstigen Alkohol und Kippen. Der schnäppchenwütige Tagestourismus hatte mich bisher eher von diesem Ort abgeschreckt, als die Zollfreie Insel in der Deutschen Bucht auf meinen Reisewunschzettel zu bringen.

Bis ich im letzten Jahr zusammen mit Jobst und Flo von BSP Media den Plan schmiedete, Helgoland einen Besuch abzustatten, um die Windsurfbedingungen zu checken. Deutschlands Wavespots sind gezählt, es war einfach lange überfällig diese weit draußen auf der Nordsee liegende Insel zu erkunden.

Helgoland besteht nicht nur aus diesem Roten Felsen mit Steilküste, sondern es gibt noch eine Nebeninsel mit dem treffenden Namen „Düne“, die im Jahr 1721 durch eine gewaltige Sturmflut von der Hauptinsel getrennt wurde. Die Düne ist nicht groß, hat aber im Gegensatz zur Hauptinsel Strände ringsherum. Kommt der Wind nicht grade genau aus Westen und liegt somit im Windschatten der bis knapp über 60m hohen Hauptinsel, dann wird die Düne von allen Seiten gut belüftet. Wellen gibt es in der Deutschen Bucht zu genüge, das Potential auf Helgoland einen guten Wavespot zu finden besteht also allemal.

Mit der Hilfe meines Bekleidungssponsors Chiemsee bereiteten wir alles vor und warteten dann Monate lang auf die passende Vorhersage mit Nordwestwind und entsprechend Wellen. Diesen Mai war es dann endlich soweit, die Temperaturen waren „OK“, die Wind- und Wellenvorhersage gut und da die Lummen zu dieser Zeit noch nicht brüteten, bekamen wir auch von der Insel das OK, dass wir problemlos überall windsurfen könnten.

Helgoland ist der einzige mitteleuropäische Brutstandort der Trottellumme, einer lustig herumspazierenden Vogelart, die sich in den roten Felsen Helgolands zum Brüten trifft, in Gesellschaft von bis zu 370 anderen Vogelarten.

Wir bestiegen zusammen mit Tom - dem Fotografen, Basti - dem Filmer, Zelten, Schlafsäcken und einem Haufen Material die Atlantis, eine Fähre, die Regelmäßig zwischen Cuxhaven und Helgoland verkehrt. Mit leichtem Murren der Besatzung wurde mein Surfgepäck auf’s Deck verladen und verzurrt.

Es sollte erst am nächsten Tag so richtig windig werden, um aber dann auch den ganzen Tag nutzen zu können, machten wir uns bereits am Vortag mit auffrischendem Westwind auf den Weg. Der Seegang hielt sich noch in Grenzen, sodass auch das traditionelle „Ausbörten“ vom eingespielten Team der Hafenbelegschaft mühelos über die Bühne gebracht wurde. Da die Fähren der verschiedenen Häfen etwa zeitgleich in Helgoland ankommen und länger auf Anlegestellen im recht flachen ehemaligen Militärhafen warten müssten, gehen sie zwischen Hauptinsel und Düne vor Anker und die Touristen werden mit den kleinen Börtebooten vom Schiff zur Insel gebracht.

Gegen Mittag saßen wir mit dem ganzen Gepäck auf der Kaimauer und warteten darauf, dass uns eine kleine Fähre auf die Düne bringen konnte. Halbstündig schippert das kleine Schiff zwischen den beiden Inseln hin und her. Auf Fracht ist das Boot nicht ausgelegt, sodass mein Surfkram zwischen den Sitzreihen platz fand.

Ein Handkarren musste dann die letzten paar hundert Meter bis zum Zeltplatz hinter dem Nordstrand überbrücken. Auf Helgoland selbst werden schwere Dinge durch einige wenige Elektromobile bewegt, oder wie in unserem Fall mit Schweiß und Wasser. Autos und selbst Fahrräder sind nicht zugelassen, da man sonst Verkehrsschilder aufstellen müsste - wie sähe denn das aus...!? Dennoch gibt es auf der Helgoland zwei Ampeln – und zwar zur Warnung der Fußgänger vor heran nahenden Flugzeugen auf auf dem Flughafen der Düne.

Wir suchten uns eine windgeschützte Ecke gleich hinter dem Strand und stellten unsere Zelte auf. Durch einen Kontakt eines Freundes wurde uns eine sehr praktische Zeltausrüstung zur Verfügung gestellt, die sich einfach aufpumpen lässt und fertig. Der Blick hinter die Dünen war an diesem Abend eher enttäuschend. Es waren zwar schon 1,5m Wellen vorausgesagt, die Wellen waren jedoch kleiner als die Köpfe der überall herum schwimmenden Kegelrobben. Mit der Hoffnung, dass sich die Bedingungen über Nacht deutlich verbessern würden krochen wir in unsere Zelte. Tom, war der erste, der kurz nach 6 Uhr morgens den Kopf aus dem Zelt streckte. Die Kälte trieb ihn aus dem Zelt und eigentlich hatte er auch einen Shot mit seiner Panorama Mittelformat Kamera geplant, aber diese Idee verschob er schnell auf später, als er die Nordsee erblickte.

Er weckte uns auf und bereits um etwa 6:40 Uhr war ich auf dem Wasser – beobachtet von mindestens 20 Augenpaaren. Anfangs machte ich mir etwas Sorgen, dass mich die Robben nicht bemerken und direkt vor mir den Kopf aus dem Wasser halten könnten, doch die am Strand so unbeholfen aussehenden Tiere erweisen sich im Wasser als das glatte Gegenteil.

Hellwach und immer mit einer gewissen Distanz verfolgte mich eine ganze Schar der bis zu 300kg schweren Kegelrobben und beobachtete was dieser Fremde mit dem bunten Fetzen in der Hand in ihrem Vorgarten so machte.

Es waren sicher keine Wellen wie auf Hawaii, auch nicht wie in Klitmöller, aber es war auf jeden Fall eine gute dreistündige Wavesession. Dann war das Wasser zu weit abgelaufen und die Wellen wurden mit weiter ablaufendem Wasser immer kleiner.

Zeit für ein Frühstück im kleinen Flughafenrestaurant, dem einzigen größeren Gebäude auf der Düne. Wir entschieden, nicht auf das nächste Hochwasser zu warten, sondern auf die Hauptinsel über zu setzen um evtl. dort noch aufs Wasser zu kommen.

Ich hatte vor unserer Abreise im Internet ein Foto gesehen, auf dem es so aussah, als wenn auch auf der Westseite der Steilküste bei Nordwestwind die eine oder andere Welle brechen würde. Einziges Problem, die gesamte Westküste wird zum Schutz vor den Fluten von einer riesigen Betonmauer, Tetrapoden und Betonklötzen umgeben, ein eher ungemütlicher Ein- und geradezu mörderischer Ausstieg bei Materialbruch, wenn man in einem solchen Fall nicht schon von der Strömung an der Insel vorbei auf die offene Nordsee heraus treibt.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl fuhr ich aus einer kleinen Einbuchtung aus dem Betonbollwerk heraus. Schnell bestätigte sich die Vermutung, dass sich diesseits der Insel bis auf Chop und chaotische Wellen keine wirklich guten Windsurfbedingungen finden lassen. Ich fuhr etwa eine Stunde vor der Steilküste hin und her, auf der Suche nach ein paar Sprungrampen, die für die Shots aber zu weit draußen brachen.

Die Beton-Szenerie in Lee von mir war etwas gespenstisch vor allem wenn man sich die Geschichte Helgolands, oder Hell-go-Lands, wie das englische Militär die Insel einst nannte, verinnerlicht. Tom und Basti positionierten sich auf den Überresten eines ehemaligen U-Boot Hafens aus dem zweiten Weltkrieg, den die Engländer in der größten nicht nuklearen Sprengung in der Geschichte der Menschheit vernichteten. Mit 6700 Tonnen Sprengstoff wurden dabei nicht nur Hafen- und Bunkeranlagen, sondern auch weite Teile der Insel in Stücke gerissen, um eine weitere militärische Nutzung Helgolands auszuschließen. Dabei entstand das heutige Mittelland, ein erschreckend riesiger Krater im Südwesten der Insel. Nach dem Krieg war Helgoland unbewohnbar und wurde erst im Jahr 1952 wieder an Deutschland übergeben und komplett neu aufgebaut.

Ich entschloss, dass es besser wäre wieder am gleichen Ort anzukommen an dem ich ins Wasser gestiegen bin und beendete meinen Surftag bevor irgendein kleiner Materialschaden eine endlose Schwimmeinlage mit anschließender Seenotrettung erfordern würde – bei einer Temperatur von frischen 8 Grad sicher kein Spaß!

Es ging alles gut und im Nachhinein war das Windsurfen vor der Steilküste schon auch ein beeindruckendes Erlebnis - dennoch kann ich davon nur abraten.

Unsere Fähre ging erst am Nachmittag des Folgetages, daher hatten wir alle Zeit der Welt die Insel und ihre Bewohner etwas besser kennen zu lernen. Wir trafen einen echten Seebären, der uns etwas über die Kegelrobben, die Lummenfelsen und die geplante und wieder verworfene Verbindung der beiden Inseln erzählte, wir machten Bekanntschaft mit einem Helgoländer Sturmflut-Fotografen, der am Aufzug von Oberland nach Unterland steht und seine Bildbände an die Touristen verkauft und wir bewunderten die Helgoländer Kleingartenkolonie.

Am Ende landete dann doch noch ein zollfreies Schnäppchen in meinem Gepäck - irgendwer aus unserer Crew muss mir das untergeschoben haben...

Hier noch ein paar heiße Shoots


»» Travelvideo Helgoland von bsp Media - ein must see
»» website Klaas Voget
»» Website bsp Media



Autor: ssr-rh | Text: Klaas Voget


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