Hellwach und immer mit einer gewissen Distanz verfolgte mich eine ganze Schar der bis zu 300kg schweren Kegelrobben und beobachtete was dieser Fremde mit dem bunten Fetzen in der Hand in ihrem Vorgarten so machte. 
Es waren sicher keine Wellen wie auf Hawaii, auch nicht wie in Klitmöller, aber es war auf jeden Fall eine gute dreistündige Wavesession. Dann war das Wasser zu weit abgelaufen und die Wellen wurden mit weiter ablaufendem Wasser immer kleiner.
Zeit für ein Frühstück im kleinen Flughafenrestaurant, dem einzigen größeren Gebäude auf der Düne. Wir entschieden, nicht auf das nächste Hochwasser zu warten, sondern auf die Hauptinsel über zu setzen um evtl. dort noch aufs Wasser zu kommen.

Ich hatte vor unserer Abreise im Internet ein Foto gesehen, auf dem es so aussah, als wenn auch auf der Westseite der Steilküste bei Nordwestwind die eine oder andere Welle brechen würde. Einziges Problem, die gesamte Westküste wird zum Schutz vor den Fluten von einer riesigen Betonmauer, Tetrapoden und Betonklötzen umgeben, ein eher ungemütlicher Ein- und geradezu mörderischer Ausstieg bei Materialbruch, wenn man in einem solchen Fall nicht schon von der Strömung an der Insel vorbei auf die offene Nordsee heraus treibt.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl fuhr ich aus einer kleinen Einbuchtung aus dem Betonbollwerk heraus. Schnell bestätigte sich die Vermutung, dass sich diesseits der Insel bis auf Chop und chaotische Wellen keine wirklich guten Windsurfbedingungen finden lassen. Ich fuhr etwa eine Stunde vor der Steilküste hin und her, auf der Suche nach ein paar Sprungrampen, die für die Shots aber zu weit draußen brachen.

Die Beton-Szenerie in Lee von mir war etwas gespenstisch vor allem wenn man sich die Geschichte Helgolands, oder Hell-go-Lands, wie das englische Militär die Insel einst nannte, verinnerlicht. Tom und Basti positionierten sich auf den Überresten eines ehemaligen U-Boot Hafens aus dem zweiten Weltkrieg, den die Engländer in der größten nicht nuklearen Sprengung in der Geschichte der Menschheit vernichteten. Mit 6700 Tonnen Sprengstoff wurden dabei nicht nur Hafen- und Bunkeranlagen, sondern auch weite Teile der Insel in Stücke gerissen, um eine weitere militärische Nutzung Helgolands auszuschließen. Dabei entstand das heutige Mittelland, ein erschreckend riesiger Krater im Südwesten der Insel. Nach dem Krieg war Helgoland unbewohnbar und wurde erst im Jahr 1952 wieder an Deutschland übergeben und komplett neu aufgebaut.

Ich entschloss, dass es besser wäre wieder am gleichen Ort anzukommen an dem ich ins Wasser gestiegen bin und beendete meinen Surftag bevor irgendein kleiner Materialschaden eine endlose Schwimmeinlage mit anschließender Seenotrettung erfordern würde – bei einer Temperatur von frischen 8 Grad sicher kein Spaß!

Es ging alles gut und im Nachhinein war das Windsurfen vor der Steilküste schon auch ein beeindruckendes Erlebnis - dennoch kann ich davon nur abraten.

Unsere Fähre ging erst am Nachmittag des Folgetages, daher hatten wir alle Zeit der Welt die Insel und ihre Bewohner etwas besser kennen zu lernen. Wir trafen einen echten Seebären, der uns etwas über die Kegelrobben, die Lummenfelsen und die geplante und wieder verworfene Verbindung der beiden Inseln erzählte, wir machten Bekanntschaft mit einem Helgoländer Sturmflut-Fotografen, der am Aufzug von Oberland nach Unterland steht und seine Bildbände an die Touristen verkauft und wir bewunderten die Helgoländer Kleingartenkolonie.

Am Ende landete dann doch noch ein zollfreies Schnäppchen in meinem Gepäck - irgendwer aus unserer Crew muss mir das untergeschoben haben...
Hier noch ein paar heiße Shoots




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